*** Es war ein schöner Traum ***

Es war ein schöner Traum.

Ich konnte es ganz genau vor mir sehen. Unsere glückliche Mutter Martha mit ihren 11 kleinen hinter ihr her trippelnden Küken. Kleine flauschige gelbe Federbällchen, vielleicht sogar ein oder zwei schwarze. (Wenn wir ein Ei von Waltraut mit erwischt hatten).

Ich sah den stolzen Vater Willi den Familiennachwuchs überwachen, während dieser sich lustig im Gras mit dem Fangen von Sommerinsekten vergnügt, gelegentlich zur Ordnung gerufen von Martha. Ich sah sie alle aneinander geschmiegt Mittagsschlaf halten unter den schützenden und wärmenden Flügeln der Mutter

Ich sah  sie aufwachsen zu stolzen Hähnen und fleißigen Hennen und sah im Geiste schon ihr zukünftiges Leben vor mir. Einen Hahn würden wir unseren Nachbaren schenken, damit diese ihr zickiges und angriffslustiges Exemplar austauschen konnten. Ein oder zwei würden wir für uns behalten, als eigenen Zuchterfolg. Und für die anderen sah ich eine erfüllte Zukunft als Frikassee, Hühnerbrühe oder herzhaft knusprigen Broiler voraus.

Es war ein schöner Traum.

Heute verging er wie eine Seifenblase im Wind.

Nachdem unser Marthahuhn schon nach den ersten zwei Wochen 3 Eier aussortierte (sprich zerbrach) blieben nur noch acht, für die wir unsere Hoffnungen hegen konnten.

Freitag nun, schlüpfte das erste Küken. Ein kleines flauschiges gelbes Federbällchen. Was waren wir stolz. Aber es schlüpfte am Freitag eben nur das Eine. Und als wir am Samstag nachschauten, hatte dieses die Nacht nicht überlebt. Trauer im Hause Spätlese.

Dann aber im Verlaufe des Tages die erlösende Botschaft. Es piepst erneut unter Martha. Ein Blick unter das Huhn zeigte uns ein kleines Löchlein in einem Ei, durch welches man einen winzig kleinen Schnabel erahnen konnte. Wir störten nicht weiter. Abends dann piepste es nicht mehr. Das kleine Küken hatte es nicht aus seinem Ei geschafft. Traurig begruben wir es auf unserem Kompost. Aber wir hatten noch Hoffnung, Aus den Eiern unter Martha piepste es immer noch. Wir hofften auf die verbleibenden sechs und ließen Martha in Frieden.

Heute früh nun kein Piepsen mehr. Nichts. Keine Löcher im Ei, kein Küken, kein Piepsen. Nichts.

Schweren Herzens hoben wir Martha vom Nest und öffneten die Eier. Das eine, in dem es gestern noch piepste, war ein kleines schwarzes Küken. Still, ganz still und regungslos lag es, nachdem es den Kampf gegen die Eierschale verloren hatte. Die anderen fünf waren nicht befruchtet.

Aus der Traum von der glücklichen Hühnerfamilie. Schade. Aber wir versuchen es wieder – nächstes Jahr. Bestimmt!

*

P.S. Es gibt übrigens kaum etwas Wirkungsvolleres um einen anständigen Brechreiz hervorzurufen, als ein 3 Wochen lang bei 40°C bebrütetes unbefruchtetes Ei. Bei akkuratem Verlauf bilden sich derart viel Schwefelwasserstoff in dem Ei, dass es bei kleinster Beanspruchung der Schale explodiert und seinen zartgrünen sämigen Inhalt weitsprenkelnd in der Gegend verteilt. Der Erhöhung der Intensität wegen empfiehlt es sich, derartige Eier unbedingt im Innern von sehr kleinen Räumen zu öffnen.

*

P.P.S. Nach der Explosion sah man den Hausherren und Frau Spätlese heftig würgend aus der Tür des Hühnerhauses stürzen, während 2 Hühner die Räumlichkeiten ähnlich fluchtartig durch die Hühnerklappe verließen. Ob diese auch gewürgt haben ist nicht überliefert.

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