*** Was man nicht im Kopf hat . . . ***

. . . hat man in den Beinen. Oder aber in den Reifen oder noch besser im Tank. Grrrm.

Gestern nämlich habe ich den Kronsohn zum Bahnhof gebracht. Er geht diese Woche nämlich auf große Fahrt – auf Klassenfahrt. Er war ganz aufgeregt, das ist auch normal so. Ich war auch ganz aufgeregt, ist das normal so? Jedenfalls hatte ich versucht, an möglichst alles zu denken und stand nun auf Vollständigkeit hoffend mit dem Kronsohn am Zug. Taschentücher – check, Handtücher check, Schuhe check usw usf.

Zwei Minuten vor Einfahrt des Zuges (*schwör*) eröffnet mir der Kronsohn, WIR hätten sein Monokular vergessen. Nun, eigentlich ist ‚WIR‘ ja noch nett gesagt von ihm, denn eigentlich ist es meine Schuld. Der Kronsohn ‚vergisst‘ dieses Teil ganz gerne mal, weil er eben nicht auffallen will. Dafür verzichtet er auch mal auf’s Sehen. Blöd – oder? Jedenfalls war es eindeutig MEINE Schuld. Mistmistmistmistmist.

Und den Kronsohn auf Klassenfahrt gehen lassen OHNE dieses Teil? Eine ganze Woche lang wie Maulwurf? Geht gar nicht! Da ich logischerweise keine Zeit hatte, das Teil noch zu holen blieb mir nur eines. Kronsohn nett in den Zug verabschieden ‚Es wird bestimmt eine tolle Woche – alles wird gut!‘ und dann auf dem Absatz kehrt und wie der Deibel nach Hause, das Monokular geschnappt und dem Zug hinterher. Also jedenfalls bis nach Rostock. Ich glaubte gehört zu haben, dass die Kinder eine halbe Stunde Zeit haben zum Umsteigen. Keine Ahnung auf welchem Bahnsteig und in welchen Zug. Aber das findet sich, die grobe Richtung, sprich das Ziel der Reise ist mir ja bekannt.

Ich langweile Euch jetzt nicht mit der Aufzählung der roten Ampeln und Baustellen, die mir meinen Tiefflug sabotiert haben und die Sonntagsfahrer, die von mir laut fluchend überholt wurden. Auf alle Fälle hatte ich bei Ankunft im Bahnhof so viel Adrenalin im Blut, dass ich eine mittlere Kleinstadt hätte damit versorgen können.

Es folgte eine kleine Aktion ‚Wildes Parken auf dem Bahnhofsvorplatz‘ und Frau Spätlese verschwand wehenden Mantels im Bahnhofsgebäude, erhaschte auf dem Weg durch die Halle aus dem Augenwinkel den richtigen Bahnsteig stürmt weiter und . . .

. . . und rennt das Kind um. Das eigene. Jedenfalls fast. Ende gut alles gut. Es waren doch 45 Minuten Zeit zwischen den Zügen und diese verbrachte die Klassenleiterin klugerweise im windgeschützten Tunnel. So brauchte ich keine Bahnsteige absuchen, an keinen Zügen suchend vorbeiirren. Man entwickelt die seltsamsten Phantasien wenn man 40 Minuten Autofahrzeit hat, um sich Horrorgedanken zu machen.

Jedenfalls sag ich Euch was. Da war ein kleines glückliches Glitzern in den Augen des Kronsohnes. Als ich ihm sein Monokular umgehängt habe.

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2 Antworten zu “*** Was man nicht im Kopf hat . . . ***

  1. Erst mit dem Rad die ganze Woche zur Schule und nun das. Koestlich.
    Meine Tochter war letzte Woche mit der Schule eine Woche in San Diego, CA. Zum Glueck hatten wir nichts vergessen, da das Flugzeug ja leider nicht so leicht einzuholen gewesen waere.

    • @Kirsten: Ich glaube, gegen ein Flugzeug wäre ich auch nicht angetreten. Zum Glück ist er erst in der 6. Klasse 😉