*** Hmmm, ist der selbstgemacht . . . ***

fragt die beste Schwägerin und streckt den Arm aus, über den Abendbrotstisch in Richtung Mozzarella.

Ähem, nein  – entschuldigt sich Frau Spätlese, denn es ist eigentlich noch keine Tomatenzeit.

Oooch, dann will ich den nicht, sagt die beste Schwägerin und zieht den Arm zurück. Keine Chance für den gekauften Mozzarella.

Das ist jetzt einen guten Monat her und ich kann immer noch nicht glauben, dass die beste Schwägerin partout keinen gekauften Mozzarella essen wollte. Zwischenzeitlich ernten wir aber Tomaten und Basilikum und deswegen hier mein privates Mozzarella-Rezept. Und immer wenn ich das abarbeite, freue ich mich darüber, dass mir mein Schwesterherz dieses Rezept aus ihrem Biotechnologie-Studium mitgebracht hat.

O.K. aber damit Ihr demnächst auch solches Lob einheimsen könnt, hier nun das Rezept und die Phasenfotos:

1. Alles beginnt mit 2 Litern Milch. Wir nehmen echte Kuhmilch, also die, die direkt aus der Kuh kommt – ohne Umweg über irgendwelche Molkerein oder gar Läden. Ich weiß, dass das nicht jeder kann – aber wenn es Euch möglich ist, holt so naturbelassene Milch wie möglich. Wenn ihr das mit H-Milch probiert garantiere ich für nix. Da seid Ihr selber schuld und braucht nachher nicht auf mich schimpfen!

Mozzarella-Milch

Mozzarella-Milch

2. Diese Milch erwärmt Ihr auf 40°C. Schön vorsichtig. Schön gleichmäßig. Bis hierher ist es ganz leicht – oder? Nun säuert Ihr diese Milch vor. Und zwar mit dem Saft einer halben Zitrone. (Nein, das muss keine Biozitrone sein, ich nehme manchmal auch ganz schnöden Zitronensaft – aber dafür dann den in Bio. ;-))

In der Zeit wo die Milch erwärmt wird, habt Ihr ganz praktischerweise schon eine Lab-Tablette (aus der Apotheke oder dem Reformladen) zermörsert und in ein wenig Wasser aufgelöst.

Mozzarella-Lab

Mozzarella-Lab

3. Diese Lösung zügig unterrühren und dann die Milch ganz fix zur Ruhe bringen. Still stehen lassen bei 40°C (Ich tu immer ein großes Handtuch drum.) für eine gute Stunde. 5 bis 10 Minuten mehr schaden nicht.  In dieser Zeit bildet sich im Topf ein schöner Gallerteklumpen, umgeben von Molke. Diesen Klumpen schneidet Ihr in ungefähr 5 cm große Würfel. Das ist wegen der Molke schwer zu fotografieren – aber es geht ungefähr in diese Richtung:

Mozzarella-Gallerte

Mozzarella-Gallerte

4. Nun müsst Ihr die Gallerte auspressen. Ich habe mir zu diesem Zweck eine alte Baumwollwindel (natürlich hinreichend gereinigt) in 4 gleichgroße Stücke geschnitten und diese Stücke nehme ich jetzt zur Hilfe, indem ich diese über ein Sieb lege und darauf mittels Schaumkelle jeweils ein Viertel der Gallertmasse einfülle.

Mozzarella-Pressen

Mozzarella-Pressen

5. Jetzt kommt ein etwas heikler Teil. Und zwar das vorsichtige Auspressen der kleinen Bällchen. Wenn Ihr zu dolle drückt, presst Ihr die Gallerte durch den Stoff. Das führt dazu, dass Ihr die Mozzarella-Bällchen nachher nicht im Guten rauskriegt und auf mich schimpft. Also seid vorsichtig und zärtlich mit dem zukünftigen Käse. Ich habe mir außerdem einen Trick einfallen lassen. Ich hänge die Biester zum Abtropfen auf und lasse sie bis zu einer Stunde (!) abtropfen, dann öffne ich die Beutel, wende die Käsekugel einmal kopfüber und lasse noch einmal eine Stunde (!) tropfen.

Mozzarella-abtropfen

Mozzarella-abtropfen

6. Ein Abtropfbehälter darunter stellen ist hier eine gute Idee. Wenn Ihr nun nicht zu grob an den Mozzarella-Bällchen herumgedrückt habt, bekommt Ihr diese auch gut aus den Windelbeuteln. Und durch das Wenden zwischendurch kommt das ganze einer Kugel auch recht nahe. Jetzt müssen die Bällchen für eine Stunde in ein 6%iges Salzbad. Das heißt 60 g Salz auf 1 Liter Wasser. Ach, und mein Wasserbad sieht so merkwürdig flusig aus, weil ich absoluter Fan von ‚Meersalz mit Algen‘ bin. Da ist genügend natürliches Jod drin. Es sieht halt nur ein bisschen merkwürdig aus . . .

Mozzarella-Salzbad

Mozzarella-Salzbad

7. Nach einer Stunde könnt Ihr die Mozzarella-Bällchen erlösen und, wenn Ihr wollt, auch gleich essen. Wenn Ihr sie (blöderweise) nicht gleich essen könnt, sondern noch ein bisschen aufbewahren müsst, dann gießt einen Großteil des Salzwassers ab und füllt mit normal Wasser auf, so dass die Lake nur noch ein bisschen salzig ist.

Ansonsten ist das Beste, was Ihr tun könnt, alles gleich frisch essen. Im Idealfall habt Ihr nebenher noch ein Weißbrot gebacken, Tomaten aus dem Garten geholt und Basilikum geschnitten und Euch einen kleinen Schoppen Rotwein (natürlich ‚Spätlese trocken‘) eingegossen und nicht zuviel Besuch eingeladen . . .

Mozzarella-essen

Mozzarella-essen

Und bestimmt freut Kirsten sich über das schöne Weinglas! Ich freue mich auch über das Schnäppchen!

Für die Extremisten unter Euch: Die Molke, die im Topf übrig geblieben ist, könnt Ihr auch noch mal durch ein Tuch gießen und so gefiltert mit einem Schuss Zitrone und einem Drittel Apfelsaft gut gekühlt genießen. Soll ja gesund sein, sowas.

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8 Antworten zu “*** Hmmm, ist der selbstgemacht . . . ***

  1. Ich hatte meinen Namen noch nicht gelesen, da hatte ich mich schon ueber das Glass gefreut. Sehr schoen. Thanks! Das Bild ist toll gelungen mit den Tomaten und dem Brot dabei. Alles was der Mensch so braucht.
    Das Mozarella Rezept nehme ich mir mit zum Ausprobieren. Ob ich nun Lab Tabletten hier bekomme, dass wird so eine Sache sein. Wenn nicht, dann bring ich sie beim naechsten D Besuch mit.
    Danke, Gita.
    Ach, noch was, hier kann aus Gestzesgruenden keine „echte Kuhmich“ verkauft werden. Somit muss man einen Teil der Kuh kaufen um frische Milch zu bekommen. Witzig, oder?

  2. Du, Gytha, I am so sorry. Ich hab‘ es wirklich nicht so mit Namen. War keine Absicht. Gruesse Kirsten

  3. Pingback: *** Top Ten *** | Spätlese trocken

  4. Hi, wie lecker! Das muss doch demnächst getestet werden. Als dieser Post hier bei Dir erschien, war bei mir an Bloggen noch gar nicht zu denken. Wie sich das doch ändern kann 🙄
    LG von der Silberdistel

    • Frau Spätlese

      Echt, so ‚kurz‘ bist Du erst dabei? Aber schön, dass Du zum Bloggen gefunden hast. So schöne Geschichten, wie Du immer schreibst. 🙂
      Aber probier das Rezept ruhig aus – ich wünsche gutes Gelingen. (Wir warten auf unsere ersten Tomaten und dann geht es hier auch wieder mit Mozzarella los. 🙂