*** Mobilitätstraining ***

Mobilitätstraining ist ein Begriff aus dem Blinden- und Sehbehindertenumfeld und meint schlicht das Erlernen von Zurechtkommen und Zurechtfinden sowohl in der näheren Umgebung (meist einfacher) als auch in fremden Regionen (anspruchsvoll).

Je nach Grad der Sehbehinderung sind natürlich die Anforderungen unterschiedlich und leicht ist es auf gar keinen Fall.

Gestern jedenfalls hatte der Kronsohn sein erstes Mobilitätstraining. Und zwar mit Frau Spätlese persönlich. Als Ziel gesetzt war eine ihm noch unbekannte Kirche (es muss schon locken – oder?) und das Kind hatte den Auftrag seine Frau Mutter eben dorthin zu führen.

Der Kronsohn hat von uns also lediglich den Namen der Kirche genannt bekommen und sich mittels WWW die Adresse besorgt und mittels Stadtplan (und der unterstützenden Hilfe der Eltern) einen Plan gemacht, wie dort nun hinzukommen ist.

Dazu gehörte das Lesen von Fahrkartenautomatenbeschriftungen ebenso wie das Entziffern von Fahrplänen. Und selbstverständlich das anschließende in die Praxis umsetzen. Denn Straßenbahnlinie 4 ist ja ganz nett, aber WO fährt die ab? Und: auf welcher Bahnsteigseite muss ich einsteigen?

Und vor allem: Wie komme ich an meinem Zielpunkt wieder raus aus der Bahn? Glücklicherweise hat Rostock nette Mitbürger, die dem Kind schon mal helfen und auf den entsprechenden Knopf drücken. (Wenn er denn auch nicht zuhört, wenn ich es ihm erkläre! ICH hätte die Tür auf keinen Fall geöffnet und wäre auch mit ihm weitergefahren.)

Mobili-HRO

Mobili-HRO

Jedenfalls habe ich alles das gemacht hat, was der Sohn wollte. Egal in welche Bahn, egal in welche Richtung. (Weil es allerdings das erste Mal war, hab ich NATÜRLICH ein klitzekleines bisschen geholfen. Wie zum Beispiel, als ich auf ein verstecktes Straßenschild hingewiesen habe, welches wirklich nicht leicht zu finden, aber rein zufällig genau das war, welches er suchte.

*räusper*

Ansonsten war es schön zu sehen, wie der Kronsohn hoch motiviert und ohne Scheu vor anderen sein Monokular benutzte um Straßenbahnnummern, Haltestellenbezeichnungen, Wegweiser u.a. zu lesen.

Nach dem Erreichen des Zieles hatte er sich ein kleines zweites Frühstück verdient und dann gab es von Frau Spätlese nur noch kleinere Aufgaben in der Art: ‚Bring mich zur Haltestelle -Neuer Markt-!’ Oder z.B. Finde am Doberaner Platz das Café Lotte und so . . .

Gegen Mittag lies dann die Konzentration deutlich nach und die Anzahl der ‚Fehlfahrten’ stieg. Also war nun Zeit für ein geruhsames Mittag und die Belohnung des Tages. Vorbei ging es an schönen Fassaden

Fassade-HRO

Fassade-HRO

und gefährlichen Drachen

Drache-HRO

Drache-HRO

zu seiner Lieblingskirche.

Nur mal gucken, ob die Glocken noch da hängen . . .

Glocke-Petri

Glocke-Petri

Resultat des gestrigen Tages: Soooo schlimm war’s gar nicht. Das machen wir noch mal. Dann allerdings mit Zielen, deren Dächer nicht deutlich als Wahrzeichen über die Umgebung hinausragen . . .

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