*** Reif für die Insel ***

Manchmal muss man einfach raus. Manchmal muss man einfach alles hinter sich lassen. Auch wenn es nur für zwei Tage ist. Manchmal muss es einfach sein.

Zum Glück gibt es dafür genügend Platz in unserem wunderschönen Bundesland. Und zum Glück haben wir Hiddensee in unserem Bundesland. Und wenn man dann  auch noch das Glück hat, diese zwei Tage mit den weltbesten Eltern zu verbringen, dann kann ja auch nix mehr schief gehen.

Wenn man auf die Insel will, muss man über das Wasser. Logisch. Und wenn die Fähre noch nicht da ist, muss man auf sie warten. Auch logisch. 

  Hiddensee ist ein sehr, sehr kleines spärlich bewohntes Inselchen von knapp 17 km Länge mit einer Fläche von nicht einmal 20 Quadratkilometern. Man mag gar nicht glauben, dass auf diesem kleinen idyllischen Eiland ungefähr tausend Leute wohnen. Plus Urlauber.

  Dafür verfügt es über die wunderschönsten einsamen (in der Nebensaison) Strände.

  Es gibt auf Hiddensee auch einen sehr, sehr, sehr berühmten Leichtturm, welchen man auch gelegentlich in den Mecklenburger Wettervorhersagen sehen kann.

   
Außerdem gibt es noch einen zweiten, etwas weniger bekannten aber nicht weniger schöneren, wenn auch deutlich kleineren Leuchtturm am anderen Ende der Insel.

 
An den windflüchtenden Bäumen kann man sehen, dass es hier manchmal häufiger eine echt steife Brise gibt.

  

Außerdem gibt es hier gefährliche Tiere.

  

Und es gibt weniger gefährliche Tiere.

  

Aber vor allem gibt es hier die alleralleralleralleraller (Bitte so oft wiederholen, bis Sie es auch ganz wirklich glauben!) allerallerschönsten Sonnenuntergänge.

  

Dann ist es auf der Insel sehr, sehr dunkel. Bis auf die Stellen, die durch Lampen beleuchtet werden.

  
  Und dann gibt es am nächsten Morgen den alleralleraller (Sie wissen schon.) allerallerschönsten Sonnenaufgang.

  
Und man steht plötzlich wieder an der Fähre und stellt fest, dass die letzten zwei Tage mit Radfahren, Wandern, Baden (BADEN!!!) und netten Gesprächen in angenehmer Gesellschaft rasend schnell vergangen sind.

Und plötzlich ist man wieder mitten auf dem Wasser auf dem Weg nach Hause und fragt sich, warum schöne Tage immer so schnell vergehen.

  
Es war ein schönes Wochenende. Ich bin dankbar für alles.

*** Ländliche Idylle ***

Sagen wir mal so, Menschen wohnen ja nicht umsonst da, wo sie wohnen. Ich, zum Beispiel, bin ganz sicher kein Stadtmensch. Ich brauche die Ruhe. Nicht, dass ich es nicht probiert habe. Ich habe 4 und ein halbes Jahr in Berlin studiert und auch dort gewohnt und das Stadtleben teilweise auch genossen. Ob das zur hinreichenden Beurteilung genügt, sei dahingestellt. Ich musste dort keine Kinder an Bildungseinrichtungen übergeben, ich brauchte nahezu keinen Arzt und und und. Aber der Stress, die Hektik, die Lautstärke. Das ist nichts für mich.

Jetzt jedenfalls wohne ich jwd auf dem platten Land. Und ich finde das schön. Ich genieße die ländliche Idylle, die Ruhe, die Entspannung.

Das geht schon morgens vor dem Weckerklingeln los, wenn die Amseln erwachen und sich schon um die ersten Futterplätze streiten. Dann beginnen die Enten und die Gänse zu rufen, die ersten Autos verlassen die Siedlung. Hähne krähen.

Dann nach dem Frühstück, wenn draußen die Straßenreinigung vorbeifährt, beginnt schon der eine oder andere Nachbar mit dem Rasenmähen. Der eine oder andere Hund bellt sehnsüchtig nach seinem Herrchen. 

Später beginnt der Nachbar hinten links mit seinen Betonstemmarbeiten. Wir vermuten ja, dass er irgendwie Betonkünstler ist (so in der Art), jeden Sommer hat er wirklich zu tun mit Schlagbohrmeißel & Co. 

Zum Mittag dann kommt das Nachbarskind von gegenüber aus dem Kindergarten und beschwert sich lautstark – worüber auch immer. Die Hunde bebellen euphorisch die Heimkommenden.

Nachmittags setzt sich die Rasenmäherparade fort. Autos mit vollen oder auch leeren Anhängern rumpeln durch die Siedlung. Erste Heimwerkertätigkeiten sind zu hören. Es wird gebohrt, gesägt, gehämmert. Am Kreisel erschrillt sich ein Martinshorn die Vorfahrt. Eine Querstraße weiter übt der Sohn Schlagzeug. Ich lasse mich davon an mein Saxophon motivieren. Die Nachbarhunde bellen im Takt.

Abends kommt das Dorf zur Ruhe. Nur  noch vereinzelt überschreitet ein Auto die zulässige Geschwindigkeit und rumpelt durch die Schlaglöcher. Gegenüber ertönt laute Musik in der Garage und kämpft gegen die Kärchergeräusche an. 

Es wird dunkel. Vor lautet Langeweile bellen die Hunde die letzten Heimkehrer an. Nebenan brüllt der Nachbar seinen Hund an: Sitz! Platz! Aus! In schneller Reihenfolge, immer wieder. Wahrscheinlich hat der Hund einen Igel gefunden und gibt diesen nicht wieder her.

Und dann irgendwann ist Nacht in der Siedlung. Vom Wald herüber dringen Käutzchenrufe. 

Also, in der Stat wohnen – das könnte ich nicht. Dieser permanente Krach und kaum ein bisschen Ruhe.

Da lob‘ ich mir meine ländliche Idylle.

*** Der wahrscheinlich letzte Sommertag diesen Jahres ***

Und wir sind die, die mit den Feuerquallen schwimmen:

   

Und wir Blödköppe wundern uns auch noch, warum außer uns niemand im Wasser ist.

Nunje, drei Treffer später waren wir auch draußen.

Aber hej, wir waren baden in der Ostsee am 17.September!

*** Immer noch Sommer ***

Für mich und mein Gedächtnis:

Wir haben heute nicht nur den 15. September 2016 sondern außerdem noch einen strahlend blauen Himmel und 25 Grad Celsius Lufttemperatur im Schatten.

Und: 

Die Schwalben sind noch da! Gerade ich 40 dieser Sommervögel gezählt.

  
Es ist immer noch Sommer! 

Vielleicht sollten wir heute abend sogar noch einmal an den Strand fahren?

*** 12 von 12 im September 2016 ***

Boah – September schon. Ich werd‘ irre. Ich war bis eben mental noch im August. Bei diesen Temperaturen aber auch. Aber na gut, dann eben September. 

1. Heute stehe ich gemeinsam mit der Sonne und dem Nebel über der Wiese auf. Na gut, mein Wecker klingelt wie immer, aber die Sonne ist mächtig spät geworden und der Nebel gehört ja zum September irgendwie dazu.

  
2. Ich wirbele mich (ohne Kamera) durch die allmorgendliche Routine und als die Viecher gefüttert und gesäubert sind und wir unser Frühstück genossen haben springe ich in’s Auto um Geburtstagsblumen zu überreichen. Mit ganz lieben Glückwünschen an den besten Vater von allen.

  
3. Als besonderes Tagesprogramm habe ich eine Probefahrt in einem (eventuell möglichen neuen) Auto organisiert. Kurzes Einüben in die neue Technik und wir fahren durch blühende Landschaften. 

  
Oder auch nicht.

4. Im Grunde hatten wir ja aber auch ein anderes Ziel in einer wundervollen Gegend, beladen mit den allerschönsten Kindheitserinnerungen. Der Weg dorthin führt über die Autobahn. Diese ist jetzt im September, nachdem alle überall wieder zur Arbeit und zur Schule müssen, wirklich sehr leer hinter uns:

  
5. und auch vor uns:

  
6. Aber Autobahnfahren ist ja irgendwie auch nicht wirklich toll. Eher doch langweilig. Also wechseln wir auf die Landstraße und kommen irgendwann im echten Herzen Mecklenburgs an. Der Vater grummelt, als wir uns freuen wie wunderschön es ist und meint: ‚Ja, es ist schön – wenn einem keiner entgegenkommt.‘ Spricht’s und bremmst ab um einem entgegenkommenden Auto auf den Sommerweg auszuweichen.

  
7. Jetzt dauert es auch gar nicht mehr lange und man kann das Ziel schon erkennen.

  
8. Endlich angekommen, gibt es erst einmal Mittag. Die Speisekarte spricht mir aus der Seele:

  
9. Anschließend hilft gegen die heißen Temperaturen nur eines: Schwimmen und Abkühlen im See. Auf meine besorgte Nachfrage an die Mutter, ob wir denn jetzt nicht die Baderegeln verletzen, wenn wir nach dem Mittagessen mit vollem Magen schwimmen gehen? Antwortet diese lapidar: ‚Papperlapapp – das Eis gibt es doch erst hinterher.‘ Ach so.

  

10. Dann ist auch schon wieder Zeit für den Rückweg, also ab auf die Autobahn. Es ist schon ein kleines Bisschen merkwürdig, so  bei 30 Grad Celsius im Schatten an Weihnachten erinnert zu werden.

  
11. Und ehe ich dann wieder bei mir zu Hause bin und mich durch den restlichen Tagesablauf laboriert habe – geht die Sonne auch schon wieder unter.

  
12. Und ratzfatz ist auf einmal schon nur noch schwarze Nacht da draußen und nichts mehr zu sehen.

  
Aber es ist ja schließlich auch schon September. Dafür gibt es aber bei Caro auch noch jede Menge 12-von-12-Bilder zu sehen.

Danke für’s Reinschauen.

*** stigmatisiert? ***

Nun haben wir gewählt, wir Nordlichter. Das Ergebnis ist, man kann es nicht anders nennen, tatsächlich beschämend.

Von 100 Wahlberechtigten sind im Durchschnitt 39 gar nicht erst wählen gegangen. Das klingt schlimm, aber es gibt einen Funken Hoffnung. Denn es sind mehr Leute wählen gegangen als in den Vorjahren (2006 Beteiligung 59,1% und 2011 Beteiligung 51,1% [Quelle]) Natürlich kann es sein, dass die AfD derartigen Zuwachs generiert hat. Aber vielleicht ist es auch möglich, dass die Prognosen vor der Wahl, welche dieses Ergebnis bereits andeuteten, mehr Leute aktiviert haben, ihre Stimme doch einer anderen Partei zu geben, damit eben diese nicht der AfD zu Gute kommt. Das ist aber etwas, was man so aus den Statistiken nicht herauslesen kann. Wichtig ist, dass mehr Leute wählen gegangen sind. Mehr Leute wollten sich beteiligen und etwas erreichen.

Die Prognosen vor der Wahl zeigten bereits die Tendenz, welche sich im Wahlergebnis manifestiert hat. 20 von 100 Wählern haben durchschnittlich die AfD gewählt.

Man kann jetzt auf dieses Land mit dem Finger zeigen und sagen, da sind alle doof und da fahren wir nicht wieder hin. Kann man, muss man aber nicht.

Ich möchte nämlich darauf hinweisen, dass von 100 Wählenden 79 eben eine andere Partei und gerade NICHT die AfD gewählt haben. Dass heisst, wer jetzt sagt, Mecklenburg-Vorpommern ist doof, verurteilt nicht nur diese 79 von 100 Wählern, sondern pauschal ein ganzes Land.

Mit welchem Recht?

Schauen wir einmal genauer hin. Was wir hier haben, ist (nennen wir es positiv) hauptsächlich unsere schöne, im Großen und Ganzen unberührte, saubere Natur, unsere geringe Bevölkerungsdichte. Wir dürfen wohnen, wo andere Urlaub machen. Wenn man aber genauer hinschaut, könnte man (etwas weniger nett) sagen, ein strukturschwaches Land ohne nennenswerte Industrie. Ja, das stimmt. Denn was hier nach der Wende an vorhandener Industrie eingestampft wurde und durch die Produktion im westlichen Bundesländern übernommen wurde, führte nicht nur dazu, dass hier wenig Industrie angesiedelt ist. Es führte auch dazu, dass viele kluge, junge Leute unser Bundesland verlassen haben um in anderen südlicheren, westlicheren Bundesländern nicht nur mehr sondern überhaupt Geld zu verdienen.

Aber dieses soll kein Jammerbeitrag werden. Ich will nur zeigen, dass alles, was in diesem Bundesland und in dieser gesamten Bundesrepublik passiert, ein Prozess ist. Ein schleichender immerhin, aber ein Prozess. Es ist nicht so, dass Mecklenburg-Vorpommern das erste Bundesland ist, in welchem völlig überraschend ein großer Anteil der Bevölkerung die AfD gewählt hat. 2014 bekam diese Partei erste Stimmen in Brandenburg und in Sachsen, 2015 sogar (wenn auch nicht so viele) Stimmen in Bremen und Hamburg, dann mit steigender Tendenz 2016 sogar in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt [Quelle]. Und auch für die Berliner Wahlen gibt es eine Prognose von ca. 15%. [Quelle] Es passiert also überall!

Dass der Wahlerfolg nun aber in MV so deutlich hoch war, liegt m.E. genau daran, dass wir hier ein strukturschwaches Land mit geringen Einkommen und nach Sachsen-Anhalt das Land mit der höchsten Arbeitslosenquote sind. Und deutlich wird auch beim Vergleich der Wahlstatistik mit der Arbeitslosenstatistik, dass in den Landkreisen mit höherer Arbeitslosigkeit vermehrt AfD gewählt wurde. Wenn man nämlich nicht weiß, wie man im Monat über die Runden kommen soll, weil es einem nicht möglich ist mit eigener Arbeit genügend Geld zu verdienen, dann kann es durchaus sein, dass man von Sätzen wie ‚Wir schaffen das!‘ durchaus not amused sondern statt dessen für die anderen Parolen empfänglich ist.

Dieses Problem AfD jetzt also auf Mecklenburg-Vorpommern zu reduzieren, ist genauso pauschalierend wie die allgemein gehaltenen Hetzparolen der AfD. Denn dabei vergisst man, dass ein zum Glück immer noch überwiegender Anteil der Bevölkerung eben nicht für die AfD ist. Man missachtet dabei alle, die hier in diesem Land bleiben und mit ihrer Arbeit für dieses Land kämpfen. Man missachtet diejenigen, welche sich in diesem Urlaubsland für die Urlauber hier krumm machen. Und man missachtet dabei diejenigen, die es geschafft haben, dass die AfD nur 20% der Stimmen bekommen hat.

Die Wähler der AfD werden jetzt jedenfalls sehen, dass sich nichts ändern wird. Denn als Oppositionspartei kann die AfD nichts weiter tun als blockieren. Das ist sehr schade aber vielleicht auch sehr lehrreich. Es werden jetzt ziemlich sicher 5 sehr schwierige Jahre für die Politik und die Bevölkerung in diesem Land, aber wir werden sie überstehen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Problem AfD in Mecklenburg-Vorpommern dann relativiert hat. Schließlich haben wir mit dieser Landtagswahl auch endlich wieder die NPD aus dem Landtag gewählt.

Natürlich kann man trotzdem noch von unserem Land sagen, dass hier alle doof sind und dass man hier jetzt keinen Urlaub mehr machen wird. Aber damit wird man nicht automatisch zu einem besseren Menschen. Man ist einfach nur jemand, der pauschal veurteilt. Und man nimmt uns dadurch einfach nur die Chance und die Kraft durchzuhalten.

Aber so leicht geben wir hier nicht auf. Wir schaffen das.

*** Freitags: Fisch! ***