*** Apokalypse now ***

Am Freitag war das Wetter ja schön. Es war überraschenderweise richtig Sommer und so beschlossen der Hausherr und ich im Sinne von ‚Freitag nach eins‘ den Freitagnachmittag faul auf der Terrasse zu verbringen. Natürlich musste / wollte ich vormittags noch ins Büro und einige wichtige Sachen erledigen. Es zog sich ein wenig und ging nicht so schnell wie ich wollte. Zwischendurch telefonierten der Hausherr und ich; und ich vertröstete ihn – ich brauchte noch etwas Zeit. Jedenfalls schaltete ich 12:30 Uhr dann trotzdem einfach so den Rechner aus – obwohl ich noch ein offenes Problem hatte. Das würde dann eben bis Montag warten müssen. Man muss ja auch mal cool sein. Der Hausherr würde stolz auf mich sein, dass ich tatsächlich schon so früh und von allein aus dem Büro gekommen war. Dann noch – um wirklich einen absolut freien Freitagnachmittag zu haben – husch zum Briefkasten und voller Stolz und Vorfreude kam ich für einen schönen relaxten Resttag auf den Hof zurück . . .

. . .  wo mich der Hausherr mit in die Hüften gestemmten Händen erwartete und mich mit den eher weniger freundlichen Worten begrüßte: ‚Weißt Du eigentlich, wie spät es ist? Und ich habe Hunger . . . und . . . und . . . ‚

Und genau da passierte es:

Die Erde öffnete sich für Feuer und Rauch, Häuser stürzten ein, Flüsse traten über die Ufer, Vulkane streuten zornigen Glut- und Ascheregen, Sirenen gingen und Menschen und Tiere liefen hilflos schreiend durch eine untergehende Welt und hinter meinen Augen pulsierte es nur rot  . . .

Die Apokalypse verschlang die Welt. Womit wir beim Thema wären. Also bei dem Thema, dass hier so derzeit durch Kleinbloggershausen kursiert.

Die Apokalypse also.

Was wäre wenn? Wie wertvoll wäre ich im Falle einer Apokalypse?

Nun, ich kann Brotbacken und mir den dazu erforderlichen Sauerteig auch selber ziehen. Ich könnte mich also bei einem (überlebenden) Bauern verdingen und dort Brot backen. Bauer ist sowieso gut, denn der hätte vielleicht auch noch eine überlebende Kuh und ich kann doch auch Käse machen. Vorausgesetzt, ich habe genug Labtabletten. (note to myself: unbedingt noch einen ordentlichen Vorrat Labtabletten horten). Gebuttert habe ich auch schon und wenn ich durch den Garten / Wald gehe, finde ich mit Sicherheit vielleicht ein paar Kräuter, die man entweder essen oder aber zu Tee verbrühen kann.

Außerdem kann ich Hühner schlachten. Na gut, bisher durfte ich nur rupfen, aber ich habe jedes Mal aufmerksam zugeschaut und wenn ich selber müsste, dann würde ich das schon hinkriegen. Sicher.

Und ich kann stricken und (halbwegs passabel) nähen. Na gut, nähen ist jetzt etwas schwierig ohne Strom für die Nähmaschine, aber wenn es einem Bastler gelingt ein Hometrainer-Fahrrad als Generator für die Stromgewinnung umzubauen . . .

Ansonsten kann ich sehr gut sehr langsam laufen. Wenn also alle mal ganz dringend vor Feinden weglaufen müssen, bin ich ganz sicher die langsamste und somit prima als erstes Opfer geeignet und kann so viele andere Leben retten. Mit Pfeil und Bogen kann ich nicht umgehen und mit Äxten schlage ich mir vermutlich selbst ins Bein.

Nun je. Hoffen wir also, dass die Apokalypse so schnell noch nicht kommt.

Der Hausherr und ich haben uns jedenfalls dann doch wieder vertragen und festgestellt, dass man auch nach 21 Jahren immer noch gedankenlos auf die Knöpfe drückt, welche den anderen in ein HB-Männchen verwandeln und dass das eigentlich blöd ist und wir das ganz bestimmt nicht wieder so machen wollen.

Ende gut – alles gut. Die Apokalypse kann warten.

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*** Entenkino ***

Oder: Das denkt sich keiner aus.

Bei uns im Garten ist hohe Eierlegezeit. Die alteingesessenen Entendamen fressen so viel eiweißreiche Nahrung wie sie eben kriegen können. Zu diesem Zweck verfolgen sie den Hausherren im Garten auf Schritt und hoffen, dass er den Spaten in die Hand nimmt und ihnen möglichst viele Würmer ausbuddelt. Was er nur zu gern tut. Anschließend legen sie im Akkord Eier. Eine grobe Zählung ergab jetzt bereits mehr als 20 Eier. Und sie legen weiter!

Allerdings hat Trini beschlossen, dass sie keinesfalls sich beim Eierlegen und späteren Brüten auf den Popo gucken lassen wird und hat sich nach Installation der Nistkastenkamera ein anderes Nest für ihre Eier ausgesucht. Wir schauen jetzt also in ein verlassenes Nest. Super!

Ich schrieb ja bereits über unsere querverliebte Brautente und ihren Smaragdentengalan. Wir haben, um der Fortpflanzung eine echte Chance zu geben, die beiden zwischenzeitlich getrennt. Das heißt, die Brautentendame sitzt mit ihrem Brautentenerpel in der Voliere. Was aber nicht heißt, dass sie sich für ihren artgleichen Gatten interessiert. Der Ärmste wird mit seinem Liebeswerben gnadenlos ignoriert.

Der Smaragdentenerpel darf mit seiner Smaragdentendame im Garten frei herumlaufen. Was aber nicht heißt, dass er sich auch für sie interessiert. Stattdessen hat unser Romeo anscheinend nur eine rosa Wolke im Gehirn und versucht permanent zur Voliere zu kommen – in welcher seine Julia treu und entschlossen auf ihn wartet. Wir haben nun einen zusätzlichen Zaun mit Sichtschutz gezogen und hoffen, dass unseren grün schillernden Romeo irgendwann die Flut seiner Frühjahrshormone auf seine artverwandte Dame bringt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Bis dahin hat ebenjene schmählich vernachlässigte Smaragdentendame unsere Schneckenfallen in den Gewächshäusern entdeckt. Wobei sie weniger an den Schnecken denn am Bier interessiert ist. Vermutlich hat sie beschlossen, dass sich ihre Vernachlässigung so leichter ertragen lässt. Sobald also einer eine Gewächshaustür öffnet kommt die kleine Ente angerannt (!) und schlabbert aus den Bierfallen. Wir haben hier also eine Bierente.

*** Baustellenupdate ***

Nach einer knappen Woche Vollsperrung vor unserer Haustür kann ich nun fundiert von unterschiedlichen Brummifahrertypen berichten.

Typ 01 fährt die komplette Landstraße bis zur nächsten Kreuzung / Wendemöglichkeit schnurgerade rückwärts ohne den kleinsten Schlenker zurück. Respekt!

Typ 02 versucht ebendieses auch, fährt aber in mehr oder weniger ausgeprägten Wellenformen und zwingt die Autos zu aberwitzigen Überholmanövern. Es ist ja schließlich nie sicher, wann der Brummi wieder zur anderen Seite schwenkt.

Typ 03 verzichtet auf das Rückwärtsfahren und beschließt, dass zwei gegenüberliegende Einfahrten super zum Wenden reichen. Gern auch unter Mitnahme der örtlichen Begrenzungen – sprich: Unser Gegenübernachbar hat jetzt einen Torpfosten weniger.

Typ 04 ist clever und checkt seine digitale Landkarte. Dabei findet er heraus, dass es in dieser Sacksiedlung einen Riesenparkplatz mit Wendemöglichkeit gibt. Folglich fährt er vorwärts in die Siedlung herein, hinten einmal im Kreis und zack, fährt er vorwärts aus der Siedlung wieder raus. Chapeau!

Unterdessen kreisen Gerüchte im Dorf, dass bei der Vollsperrung des ersten Abschnittes im Dorf einige Autofahrer unerlaubter Weise den gut ausgebauten landwirtschaftlichen Weg als kürzeste Umleitung nutzten. Dieses soll aber relativ früh von den örtlichen Dorfsheriffs erkannt worden sein, welche sich daraufhin dort positionierten und Strafzettel verteilten. Von 16 Stück die Stunde wird gemunkelt. Umd es wird gemunkelt, dass sich daraufhin einige dieser derart bestraften Autofahrer beim obersten Dorfsheriff beschwerten.

Wie es aussieht, wird der kleine, ansonsten obrigkeitshörige Deutsche zum kleinen Revoluzzer, wenn seine Autofreiheit beschnitten wird.

Wir jedenfalls sind die Vollsperrung erst einmal los. Der Verkehr kann wieder vorbeirollen. Ab kommenden Montag wird dann der nächste Straßenabschnitt gesperrt. Da bin ich aber weit genug von ab.

Also, allseits gute Fahrt!

*** Der Hahn ***

Stolz steht der Hahn. Still, aufrecht, wachsam und hält den Blick auf seine herumwuselnden Hühner. Er ist ein mittelgroßer Hahn. Sein schwarzes Gefieder glänzt im Sonnenschein auf seiner breiten Brust. Er ist ein Kraftpaket. Still und wachsam steht er und hat seine Hühner im Blick. Diese scharren und picken eifrig und sorglos.

Er plustert sich auf, reckt die Brust heraus. Schön sind sie, seine Damen. Makellos weiß das Gefieder.

Nun gut, bei der einen vielleicht ein wenig zerzaust. Aber das ist ja auch seine Lieblingshenne. Die hat aber auch einen rassigen roten Kamm. Und dann dieser süße puschelige Popo.

Wohlig schüttelt sich der Hahn. Jetzt bloß schnell ablenken, sonst glaubt sie nachher, er denke an nichts anderes.

Also schnell ein prüfender Blick in den Himmel und ein kurzer Warnschrei. Dort ist zwar nur eine Taube da oben. Aber wer weiß, die sollen ruhig wissen, dass er aufmerksam ist. Es könnte ja auch mal etwas anderes sein als nur eine Taube.

Unbeeindruckt von seinem Warnruf scharren die vier Damen, haben ihn wohl durchschaut. Es ist aber auch zu verlockend. Die großen Zweibeiner haben nämlich heute nicht nur den Rasen schön sauber abgesammelt, sondern auch am Zaun entlang eine Reihe gefräst. Dort ist jetzt ein lockerer brauner Boden voller verlockender Köstlichkeiten. Und dazu ist der Rasen wieder sauber und gepflegt. Sogar abgeharkt haben ihn die Großen, das alte braune Gras aus dem Vorjahr weggenommen.

Ein bisschen stolz ist er ja schon auf seine großen Zweibeiner. Die wissen, was Hühner wollen. Auch wenn es heute früh ein wenig knapp mit der Futterration war. Wahrscheinlich hat ihnen wieder einmal jemand erzählt, ihre Hühner wären fett.

Ts.

Fett. Die haben ja keine Ahnung. Wer will denn schon so magere Leistungsleger? An einer Dame muss auch etwas körperliches sein. So wie an seiner Rosalie. Ach, da kommt sie gerade wieder vorbei, wackelt aufreizend mit ihrem herrlich wuscheligen Popo – Moment –

Der Hahn ergreift die Gelegenheit und nimmt die Einladung an. Dann schüttelt er kurz sein Gefieder und steht wieder wachsam und passt auf seine Damen auf.

Still und stolz steht er, der Hahn.

*** Sackgasse ***

Der deutsche Autofahrer ist in höchstem Maße individuell. Jeder fährt sein von ihm individuell gestaltetes Auto zu seiner individuell gewählten Musik zu einem individuell präferierten Ziel. Und jeder bewältigt die anstehenden Probleme auf seine Art. Erzielt dabei aber, dass muss ich hier anmerken, Lösungen wie sie die anderen vor ihm auch bereits exakt so gefunden haben.  Identisch. Einheitlich.

Nämlich: Ein Sackgasse ist eine Sackgasse ist eine Sackgasse!

Folgendes Szenario:

In einem mittelgroßen Dorf wird die Hauptstraße gesperrt, um den Straßenbelag zu erneuern. Anwohner wurden rechtzeitig informiert. Es gab eine Bürgerversammlung in welcher die einzelnen Bauphasen und die jeweiligen Umleitungskonzepte vorgestellt wurden. Dies alles in deutscher Gründlichkeit. Heißt: Wir sind vorbereitet und wissen, wann wir unseren Hof verlassen können oder auch nicht, wann wir welche Strecken fahren können oder auch nicht.

Pech nur, dass all die von weiter her Durchreisenden von diesen vorbereiten Maßnahmen nichts mitbekommen konnten. Für diese ergibt sich jetzt das übliche Baustellenszenario. Irgendwann während ihrer Fahrt wird auf der Strecke die Baustelle und die Umleitung ausgewiesen (teilweise sehr, sehr weit vorher) aber es wird weiter gefahren. Man kennt ja erstens diese Strecke nicht und zweitens sagt einem das Navi man möge doch bitte weiterfahren. Also fährt man weiter.

Und an dieser Stelle komme ich ins Spiel. Ich sitze nämlich derzeit am Anfang der Baustelle. Vor dem Baustellenschild zweigt ein Weg ab, als Sackgasse ausgewiesen. Und hier landen jetzt alle diese armen, fehlgeleiteten Autofahrer. Vor dieser Baustellenabsperrung mit dieser eine Umgehung verheißenden Seitenstraße. Weil ihnen ihr Navigationssystem hier nun ein mittleres, strukturiertes Wohngebiet zeigt, gehen diese Autofahrer logisch davon aus, dass dieses Sackgassenschild (so sie es gesehen haben) ein Fake ist und sie schon irgendwo wieder einen Ausweg auf die Bundesstraße finden werden. Vorzugsweise hinter der Baustelle.

Nun, das werden sie nicht. Dieses hier ist tatsächlich eine Sackgasse. Eine größere, das gebe ich zu. Eventuell ist es sogar eine Sacksiedlung. Aber in diese Siedlung hinein und hinaus zu kommen gibt es nur einen Weg. Diesen hier vorn, an mir und an der Baustellenabsperrung vorbei. Es nützt also nichts, hier hineinzufahren. Es sei denn man wohnt hier, aber das tun die wenigsten.

Also beobachte ich (nicht, dass ich nichts anderes zu tun hätte) Autofahrer mit den verschiedensten Kennzeichen, wie sie unsere nun ja mittelhübsche Sacksiedlung besichtigen. Erst rein, ein wenig herumirren und suchen und dann wieder heraus. Rein, raus.

Ich spiele nun mit dem Gedanken, mir vorm Tor ein kleines Hüttchen einzurichten. Dort könnte ich freundlich Saft, Wasser, Tee, Kaffee und Kekse kostenlos und Umleitungspläne zu 2,50€ das Stück anbieten.

Am Ende der Woche wäre ich dann wahrscheinlich Millionär. Ich sollte dann mal Tee kochen gehen.

*** Echt genial ***

Ich kann ja was . . .

Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wo ich das möglichst nutzbringend anwenden kann.

*** Frühlingsanfang ***

Nun war also gestern der von mir bereits am 17. Januar sehnsüchtig erwartete Frühlingsanfang.

Nun je.

Noch einen Tag vorher hatte ich schon gejubelt, dass die Bachstelze wiedergekommen war um ihr Nest wieder zu beziehen.

Nun aber schoben wir erst einmal 5 cm Neuschnee beiseite.

Im Laufe des Tages dann gab sich die Sonne etwas Mühe und befreite wenigstens die Köpfchen der Frühblüher vom Schnee.

Unser Federvieh hat auch schon die Nase vom Winter mächtig voll und zeigt deutlich Frühlingsgefühle. Die Damen untersuchen reihum die bereitgestellten Nester und legen schon mal testweise die ersten Eier.

So wird auch dieses Jahr der Frühling wieder spannend werden. Es haben sich nämlich Fräulein Brautente und Herr Smaragderpel artenübergreifend quer ineinander verliebt. Herr Brauterpel und Fräulein Smaragda stehen dem ganzen etwas abgeschoben und bedauernswert frustriert gegenüber. Nun je. Wo die Liebe hinfällt.

Wir aber sitzen bei diesem Wetter am warmen Ofen. Während der Hausherr liest (zum Beispiel solche Wetterprognosen) produziere ich mich am Rechner. Die Jahresfotobücher 2016 und 2017 sind fertig, unser Winterurlaub-2018-Buch auch (dabei war das gar nicht geplant), die begonnene Bluse wartet nur noch auf ein paar abschließende Nähte, vor denen ich mich aber drücke, indem ich unser Projekt ‚eigenes Kochbuch‘ vorantreibe. Hier handelt es sich schlicht und ergreifend um die für mich typische Fertigstellungsangst, die mich bei Näharbeiten grundsätzlich befällt. Was, wenn es nichts taugt? Nicht passt? Nicht gut aussieht? Wofür habe ich es dann gemacht?

Aber noch brauche ich mich mit den fehlenden Ärmelbündchen ja nicht zu beschäftigen – ich gehe einfach noch ein wenig Schnee schieben.

In diesem Sinne, genießen wir einfach den Frühling.