*** Wetterfluch – Folge 2 ***

Freuten wir uns gestern noch auf 24 ° Celsius zu Hause?

Ha!

Auf dem Rückflug informierte uns der Kapitän, dass das extrem miese Wetter (19 ° Celsius. Regen. Und sehr, sehr, sehr (!) tiefhängende Wolken dazu führen könne, dass wir vielleicht doch nicht in Rostock-Laage landen könnten.

Harharhar.

Konnten wir aber ganz knapp doch. Uff.

Und ich sag Euch was, nach so einer Woche ausglühen auf Mallorca – da sind 19° Celsius einfach nur FAN-TAS-TISCH! Endlich mal durchatmen. Endlich mal grün! Endlich mal NICHT schwitzen!

Ich LIEBE Mecklenburg-Vorpommern.

Mit freundlichen Grüßen,

Eure Frau Spätlese

*diesichjetztüberglücklicheineStrickjackeüberzieht*

*** Tag 7: 32 Grad Celsius ***

Der Wetterfluch hat aufgegeben und lässt uns nun schon tagelang am typisch mallorquinischen Wetter teilhaben. Das heißt, wir schwitzen bei 30 ° Celsius im Schatten und kühlen von außen mit Poolwasser und von innen mit Roséschorle (jajaja – unvernünftig – jajaja)

Jetzt aber hat irgendjemand im Himmel den Flammenwerfer angeschaltet.

Es ist einfach nur heiß. Die Temperatur klettert. Und klettert. Was eine blöde Idee, im August, im Hochsommer, nach Mallorca zu fliegen.

Heiß!

Ich jammere nicht.

Ich liege bewegungsunfähig im Schatten auf der Liege und zähle die Stunden, bis ich wieder in mein heimatlich kühles mecklenburger Schmuddelwetter mit nur 24 ° Celsius eintauchen darf und freue mich schon einmal an der heimatlichen Wettervorhersage.

*** Tag 6: die historische Wasserschlacht von Portocolom ***

Die historische Wasserschlacht fand im Jahr 2015 des Herrn auf den Hügeln des kleinen Fischerortes Portocolom unbemerkt von den Geschichtsschreibern statt.

Mann, Frau und Kind bekämpften sich in den unermesslichen Tiefen des Pools unter zuhilfenahme allseits gefürchteter Wasserspritzpistolen.

Unfairerweise griff der Mann zu einem hinterhältigen Trick, welcher ihm bedauerlicherweise auch noch den Sieg einbrachte.

Während Frau und Kind mithilfe einfacher Schwimmringe versuchten, beim Wasserschießen nicht zu ertrinken, bemächtigte sich der Hausherr einer herumliegenden rosafarbenen Schwimmnudel, um diese als auftreibende Unterstützung zu benutzen.

Unglücklicherweise wurde die Frau ob des Anblicks des aus dem Wasser ragenden rosafarbenen Schwimmnudelendes vor dem Bauche des Mannes derart von Lachkrämpfen geschüttelt, dass ihr kein erfolgreiches Wasserschlachten mehr möglich war und sie sich prustend und schüttelnd aus dem Poole entfernen musste.

Anerkannte Verhaltensforscher rechnen mit einer Fortsetzung der Schlacht.

Wird es dem Kind gelingen, die Wasserspritzpistole künftig schneller zu laden?

Wird die Frau sich künftig zusätzlich zur zusätzlichen Verwendung von Wasserbällen durchringen können?

Wer erkämpft sich künftig die rosafarbene Schwimmnudel?

Und wer warf die gelbe Quietscheente?

Fragen, auf deren Beantwortung wir nur gespannt warten können.

*** Tag 5: Moskitonetz, das ***

Hiermit lobpreise ich in den höchsten Tönen das vom Hausherrn liebevoll und sorgsam um das Bett herum angebrachte Moskitonetz.

Es ist eine allerhöchste Wonne, Scharen von Mücken frustriert vor dem Netz patroullieren zu hören und dabei ganz entspannt, ohne permanent genötigt zu sein um sich zu schlagen, schlafen zu können.

Und das eine Mistvieh welches doch noch einen Weg herein gefunden hat, das erwische ich auch noch.

*** Tag 4: die Serpentinen ***

Weil ja der Mensch nicht den ganzen Tag faul auf der Terrasse herumliegen kann, sondern sich ruhig auch mal sein Urlaubsland anschauen soll, haben wir heute einen Ausflug geplant.

Es geht zur Wallfahrtskirche Sant Salvador in der Nähe von Felanitx, also zur ‘Santuari de Sant Salvador’.

Auch wenn es in diesen Tagen tatsächlich eine Wallfahrt ist, um dorthin zu gelangen, so ist die Fahrt trotzdem mit Schwierigkeiten verbunden. Die Kirche liegt nämlich auf einem Berg, 510 Meter hoch.

Lacht nicht!

Da ringsherum alles nahezu platt ist, stellt für ein Flachlandei wie mich solch ein 500 Meter hoher Felsbrocken schon ein beachtliches Hindernis dar.

Früher, so erzählt uns eine Einheimische, war der Weg dorthin noch nicht ausgebaut, nur einspurig und ohne Schutz an der Seite. Aber heute, erklärt sie mit Blick auf mein blasses Näschen, ist alles gut ausgebaut für die Touristen. Einfach nur ein paar Serpentinen.

Einfach nur ein paar Serpentinen!

Mein innerer Hasenfuß jammerte weinerlich, während ich mich wappnete und meine rechte Hand schraubstockgleich im Türgriff verankerte.

Ich bin wirklich nicht zimperlich. Ich mache auch eine Menge Mist mit. Aber ich habe eine Schwachstelle. Und das sind Serpentinen.

Geh mir weg mit Serpentinen.

Mit jeder Kurve und jeder Windung atmete ich hörbarer ein und presste die Luft mühsam zwischen meinen aufeinandergepressten Lippen wieder hinaus.

Der Hausherr hingegen fuhr voller Freude und Spaß. Voller Anteilnahme fragte er mich, ob ich denn lieber selbst zurückfahren wolle?

Nein danke, konnte ich nur mühsam antworten. Ich möchte mich am liebsten oben ein wenig ganz flach auf den Boden legen. Danke der Nachfrage.

Oben angekommen und aus dem Auto heraus war auch alles gar nicht mehr schlimm sondern beeindruckend und sehr schön. Es ist doch immer wieder beeindruckend, welchen Reichtum doe Kirche in all den Jahrhunderten zusammengerafft hat.

Die Rückfahrt verlief wesentlich entspannter, abgesehen davon, dass das Autochen jetzt zwei Dellen im Beifahrerfußbereich mehr hat. Glücklicherweise bin ich beim Mitbremsen nicht durch das Bodenblech getreten.

Damit hatten wir aber kulturtouristische Pflicht und Schuldigkeit getan und sämtliche weiteren Serpentinen Mallorcas konnten mir gefälligst gestohlen bleiben.

*** Tag 3: Auftritt der Poolboy ***

Zu unserer Finca gehört ein Pool. Ein Salzwasserpool.

Dieser muss selbstverständlich gepflegt werden. Und Urlauber können das nicht, erstens. Und außerdem haben sie ja auch Urlaub, zweitens.

Also gibt es einen Poolboy.

Unser Poolboy kommt alle zwei Tage und wirft als allererstes sein rotes T-Shirt auf die Bank neben dem Pool, bevor er die Reinigungsutensilien holt.

Anschließend steht er, mit braungebranntem, muskulösem Oberkörper lediglich mit  pinkfarbenen (!) Badeshorts und rosafarbenen Crocs am Poolrand und saugt den eingeschleppten Sand und die Blüten aus dem Pool.

Sorgfältig bewegt er den Sauger vor und zurück. Seine Oberarmmuskeln spielen lässig unter der Haut.

Einen Schritt zur Seite und wieder andächtig vor und zurück. Vor und zurück.

Er kann vielleicht irgendetwas Ende dreißig sein. Er ist nicht mager aber auch nicht fett. Es zeigt sich ein ganz leichter, beginnender Bauchansatz, der aber seine Bauchmuskeln noch nicht überdeckt. Er sieht sportlich aus.

Jetzt bückt er sich, um ein Blatt aus dem Pool zu fischen. Seine Pobacken spannen die rosa Shorts.

Ich verschlucke mich an meiner Roséschorle und unter dem Vorwand, mir die Nase putzen zu müssen, wische ich mir den Sabber aus dem Mundwinkel.

Während er weiter gleichmäßig den Boden des Pools absaugt spielen die Muskeln wie kleine Wellen unter seiner Haut.

Als er fertig ist, alle Gerätschaften wieder verstaut und sein rotes T-Shirt wieder angezogen hat kommt er bei uns vorbei und fragt, ob noch etwas zu tun wäre.

Heiser krächze ich ein ‘Nein, danke, es ist alles gut.’

Und er fährt vom Hof.

*** Tag 2: das Einkaufen ***

Das kühle Wetter hält sich. Die Mallorquiner jammern über winterliche 24 Grad Celsius. Für den Abend ist sogar möglicher Niederschlag vorhergesagt. 

Gnihihi. 

Wir aber haben andere Probleme. Zu so einer Finca gehört selbstverständlich auch die Selbstversorgung. Ergo das Einkaufen.

Wir satteln also unseren kleinen, orangefarbenen Mietwagen (Er ist so knuffig!) und machen uns auf den Weg zum Supermarkt. 

Wir arbeiten nach drei verschiedenen Einkaufslisten. Das heißt, jeder wünscht sich das, was er seiner Meinung zum Überleben braucht und dann wird gemeinschaftlich entschieden, ob wir es auch tatsächlich kaufen. 

Als allererstes hängen wir gleich in der Obst- und Gemüseabteilung fest und nach glücklich-gründlicher Auswahl durch den Hausherren füllt sich der Korb mit gesundem Grünzeug. Bis es mir reicht und ich ihm erkläre, der Supermarkt hätte morgen auch wieder auf.

Sicher.

Ganz sicher!

Anschließend verlieren wir einigen Platz im Korb in der Brot- und Kuchenecke. Beide Männer bestehen auf ihren Süßkram. Nun je. 

Dann sind wir endlich an der Fischtheke angekommen. Der Hausherr verfällt in glückliche Andacht und der Kronsohn bestaunt die Vielfalt. Das ist meine Chance. Ich ziehe dem Hausherren eine Nummer, verweise auf die Nummernanzeige welche die Kunden aufruft und kann endlich einkaufen.

Butter, Kaffee, Milch, Salami, Käse, Saft und ausreichende Mengen Wasser landen im Korb, während der Hausherr andächtig und hingebungsvoll an der Fischtheke wartet. 

  
Ein kurzer Blick zeigt, dass ich noch Zeit für die Abendgetränke habe und ich spiele ein wenig Rotweinlotto. Es ist immer wieder eine Überraschung, was für ein Kopfschmerzpotential einem aus der Flasche entgegenkommt.  Dann noch einen leichten Rosé zum verschorlen und es geht zurück zum Hausherren und zum Kronsohn. Diese müssen nun schweren Herzens den größten Teil der Fische in der Theke belassen und können sich nur schwer auf eine ‘kleine’ Auswahl beschränken. Ich bemühe mich, ihnen glaubhaft zu versichern, dass wir auch morgen wieder einkaufen fahren würden. 

Sicher.

Ganz sicher. 

Dafür wüssten sie dann auch jetzt schon, was morgen zu kaufen wäre. Und ich weiß, dass mir am Ende der Woche wahrscheinlich Kiemen und Schuppen gewachsen sein werden. 

Nun je.

Nach einem Blick in den Korb beschließen wir, jetzt tatsächlich alles benötigte zu haben und stellen uns an der Kasse an. 

Es gibt ein kurzes Hinundher an der Kasse, als die Kassiererin dem Hausherren mehrere Beutel aus der Obst- und Gemüseabteilung zum Auswiegen in die Hand drückt. Aber auch das ist bald geschafft. Mit Mühe bekommen wir die Kofferraumklappe des Autochens wieder zu und dann geht es wieder ab zur Finca. 

Abendessen vorbereiten.